tanz & somatische praktiken

Der Begriff „Somatics“ entwickelte sich in den späten 1960er Jahren und geht auf Thomas Hanna zurück, der Somatics beschreibt als das „Feld, in dem das Soma erforscht wird, d.h. der von innen, durch Selbstwahrnehmung wahrgenommene Körper.“

Der Begriff Somatics ist sehr vereinfachend, denn es geht natürlich nicht nur um den (physischen) Körper sondern um die Ganzheit von Körper, Geist und Seele.

(vgl.Body-Mind nach Bonnie Bainbridge Cohen)

Ich verstehe unter somatischen Praktiken also alle Praktiken in denen Wahrnehmung (mit durch und im Inneren des Körpers, über Sinnesorgane, bewegte Anatomie und andere Systeme des Körpers) geschult, bewusst gemacht, verfeinert und erweitert wird.

Systeme, Konzepte und Methoden, welche auf dem Zugang somatischen Lernens basieren sind u.a. Body-Mind Centering (BMc) , Ideokinesis and somatic education (Thomas Hanna) , The Thinking Body (Mabel Todd) und Kinetic Awareness (Summers).

Somatics Education

SOMATIC EDUCATION is the disciplinary field of a variety of methods concerned with the learning process of the living body (the ‘soma’) as it acquires awareness through movement within the environment.

The term SOMA refers to the sum total of the body’s subjective lived experience. The soma is the living body experienced at the first person, as an “I”, both sensitive to himself or herself, and capable of perception– some would say “construction”- of an outside world. Talking about soma does not mean setting body against psyche, nor pitting the ‘soma’ against psychology as in the expression “psychosomatic”. When we speak of soma, we see the individual as a being fully integrated into its phenomenological and biological existence. By working with this somatic perspective we acknowledge that our thoughts (even the most abstract ones), our emotions, and fantasies are all manifestations of the indivisible totality of our biological and neurological processes. From the somatic point of view, consciousness itself is a characteristic feature of life and essential to the very mechanisms of self-regulation distinguishing all living systems. In short, far from being reductionist or materialistic, a somatic approach treats the living “embodied” person in an integrative way. (This is precisely what some of our colleagues call the “embodiment of life”, an expression increasingly used by English speaking authors everywhere.) The methods of somatic education are defined in terms of the following four central aspects: • learning (and not therapy) • awareness of the living and sensing body (and not the body-as-object seen from outside) • movement (and not posture or structure) • space or, alternatively, environment (and not a shallow version of self-absorption).

(Ivan Joly, 2000, The Feldenkrais Method (c) of Somatic Education)

Zeitgenössischer Tanz

hat seine Wurzeln in Ausdruckstanz und Modern Dance, wird aber heute als Sammelbegriff vieler Kunstformen in denen Bewegung im Mittelpunkt steht verwendet. Zeitgenössischer Tanz und somatisches Lernen sind eng miteinander verbunden.

  • ganzheitliches Training
  • Gefühl für und Bewegen aus der Körpermitte, organische Verbindung von Zentrum-Peripherie, „integrierte Körperbewegung“
  • Spiel mit Elementen wie Impuls, Dynamik, Rhythmus
  • Verfeinerung von Körperbewusstheit in Raum und Zeit, sowie kinästetischer Wahrnehmung (Lage, -und Bewegungsempfinden)
Geschichte

Die humanistischen Bewegung der 60/ 70er Jahre in den USA markiert den Anfang vom Ende eines cartesianischen Zeitalters: der Mensch darf wieder in seiner Ganzheit als biologisches, psychisches, soziales Wesen betrachtet werden (Schorn, 2009, zitiert nach Wittmann, Schorn, & Land, 2009). So waren es Vertreter der humanistischen Psychologie welche zu einem neuen Verständnis von Wahrnehmung, Bewusstheit und ganzheitlichem Erleben im “Hier und Jetzt” anregten (Trautmann-Voigt, 2003). Durch das Aufkommen eines expressionistischen Lebensgefühls vollzog sich in der Tanzwelt eine stille Revolution gegen standardisierte, formgebundene Bewegungsabläufe des traditionellen Balletts ( Bräuninger, 2009; Willke, 2007). Die Widerentdeckung eines organischen Bewegungsrepertoires, Authentizität, individueller Ausdruck und Selbstverwirklichung werden den veräußerlichten Formen klassischer Balletttänzern gegenübergestellt und leiten die Suche nach einem verinnerlichten Tanz ein ( Willke, 2007 ). Dies kennzeichnet Anfang des 20. Jahrhunderts die Epoche des Ausdruckstanzes in Deutschland sowie dem Modern Dance in den USA und initiert ein neues, verändertes Verständnis von Tanz.

(aus Tanztherapie als Möglichkeitsraum der Achtsamkeit, Ursula Fink, 2013)